Kreativwirtschaft braucht eine starke Lobby

03.10.2011 von Andrew Katumba

Bessere soziale Sicherheit für Selbständigerwerbende

In der Schweiz sind rund 87'000 Personen in kreativen Bereichen wie Mode, Architektur, Design, Theater, Events, Grafik, Film etc. tätig und erwirtschafteten einen Umsatz von rund CHF 31 Mrd. pro Jahr. Alleine im Kanton Zürich erwirtschaftet dieser Cluster rund 4% des Bruttoinlandproduktes und ein Vielfaches an immaterieller Wertschöpfung.

Die Kreativwirtschaft besteht aus vielen Selbständigerwerbenden, Freelancern, Ich-AG's oder einfach KIK's (Kreative innovative Kleinstunternehmen). Beinahe 80 % der Unternehmen bestehen lediglich aus einer oder zwei Personen. Die Regel sind befristete Arbeitsverträge, unregelmässige Arbeitszeiten und häufig ein tieferes Einkommen. Der Anteil an Selbständigen ist in der Kreativwirtschaft besonders hoch. Reguläre Einkommen sind eher die Ausnahme und stammen meistens aus Teilzeittätigkeiten. Das Unternehmerrisiko ist hoch, handelt es sich häufig um trendorientierte und damit volatile Märkte. In der Kultur- und Kreativwirtschaft gilt es nicht nur ein unternehmerisches Risiko einzugehen, sondern oft ist damit eine existenzielle Unsicherheit verbunden.

Seit Jahren wird darauf hingewiesen, dass die meisten Kultur- und Kreativschaffenden eine schlechte Vorsorge haben und immer wieder durch das Netz der Sozial- und Fürsorgeversicherung fallen. Die soziale Sicherheit dieses Wirtschaftszweiges ist ein Problem, welches früher oder später die Allgemeinheit durch das Steuersubstrat ausgleichen muss.

Mit der Annahme des neuen Kulturfördergesetzes im Jahre 2009 verpflichten sich Bund und Betriebe, den Kulturschaffenden einen Anteil der Auftragsgelder direkt an eine Berufliche Vorsorge des Kulturschaffenden zu bezahlen. Somit kann bis zu einem gewissen Grad die soziale Sicherheit dieser Berufsgruppen gewährleistet werden. Dennoch greift diese Regelung zu kurz. Sie regelt lediglich das Verhältnis zwischen Staat und Kulturschffende, die keine eigene Firma besitzen. Ich-AG's, -GmbH's und Kleinunternehmen sind von dieser Regelung ausgeschlossen. Der Bund kann höchstens prüfen, ob Beiträge an die 2. Säule ausbezahlt wurden, aber nur, wenn öffentliche Gelder im Spiel sind.

Selbständige UnternehmerInnen in der Kreativwirtschaft arbeiten jedoch häufig für andere, grössere Unternehmen. Und in einem hartumkämpften Marktumfeld bleibt dabei die soziale Sicherheit der betroffenen Auftragnehmenden häufig auf der Strecke. Beiträge an die 2. oder 3. Säule werden selten oder nicht bezahlt, da die Beitragsschwelle durch ständig wechselnden Arbeitsverhältnisse selten erreicht wird. Das starre 3. Säulenprinzip unserer Sozialversicherung muss dringend den aktuellen, volatilen Arbeitsverhältnissen angepasst werden. Die Zeche bezahlen letztlich die Steuerzahlenden, wenn Kreative am Ende ihrer Arbeitskarriere von der Fürsorge und Zusatzleistungen leben müssen. 

Mit der Kulturverordnung, die sich zur Zeit in der Vernehmlassung befindet, macht der Bund einen ersten wichtigen Schritt für die soziale Sicherheit ihrer auftragnehmenden Kulturschaffenden und Künstlern. Nun muss dieser Weg konsequent auch für Arbeitnehmende und Selbständigerwerbende in der Kreativwirtschaft weiterverfolgt werden. 

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