Kultur- & Kreativwirtschaft

In der Schweiz sind über eine viertel Million Menschen in kreativen Bereichen wie Architektur, Design, Events, Film, Grafik, Mode, Musik, Software/Gaming, Theater und Werbung tätig und erwirtschaften eine Bruttowertschöpfung von knapp CHF 20 Milliarden im Jahr. Alleine in Raum Zürich arbeiten rund 70 '000 Personen in der Kreativwirtschaft und tragen ganze 4 % des Bruttoinlandprodukt (BIP) des Kanton Zürich bei. Somit bildet die Kreativwirtschaft ein breites und potentes Rückgrat der Schweizer Volkswirtschaft.

Dennoch wird dieser Wirtschaftbranche mit einem jährlichen Wachstum von über 5% noch kaum Beachtung geschenkt. Grossstädte müssen ihre Dienstleistungsbereiche diversifizieren. Das Wachstum in der umworbenen Finanz- und und Beratungsbranche stösst zunehmend an ihre Grenzen. Die Kreativindustrie bietet dagegen vielen Beschäftigten ein zwar kleines, jedoch beständiges Einkommen. Zusätzlich bringt dieser Wirtschaftszweig ein beachtliches Wertschöpfungspotential mit sich.

Viele Beschäftigten in der Kultur- und Kreativbranche arbeiten selbständig und tragen die Risiken oft selbst. Sie sind meistens schlecht versichert und arbeiten knapp über dem Existenzminimum. Wenige sorgen für das Alter vor oder kümmern sich um die 2. oder 3. Säule. Das Drei-Säulen-Modell ist für viele zu bürokratisch und kompliziert. Dies birgt für unsere Gesellschaft ein Klumpenrisiko. Sozialversicherungen müssen den neuen Arbeits- und Lebensmodellen dringend angepasst werden. Hier bedarf es genügend politischen Drucks auf nationaler Ebene.

Die steigenden Mietpreise stetzen vielen Kreativen arg zu. Beschäftigte in der Kreativwirtschaft sind dringend auf günstige Geschäfts-, Ausstellungs- und Atelierräume angewiesen. Die Ansprüche sind selten hoch. Dennoch ist es unverständlich, dass Kreative für ihre Geschäftsräume gleich viel zahlen müssen wie Finanzdienstleistungsunternehmen. Zudem werden Geschäftsimmobilien zunehmend als Renditeobjekte gehandelt und sind auch für kleinere Unternehmen mit Ausrichtung auf den Binnenmarkt kaum finanzierbar. Kreative Firmen verschwinden oder werden von Zentren in die Agglomeration abgedrängt. Wollen Städte ihre eigene Identität weiterentwickeln und ihre Standorte diversifizieren, sind sie dringend auf Unternehmen der Kreativwirtschaft angewiesen. Deshalb bedarf es einer gezielten Wirtschaftsförderung für diese Zunft mit Zukunft.